Aber wo sind all die Hater?

Ein Jahr Bloggen. Das ist schon was. Nicht viel, aber etwas. Und auch wenn wir uns immer noch für runde Brillengläser und unkonventionelle Haarschnitte rechtfertigen müssen, sind wir (gerade mit einem Glas Wein in der Hand an einem internationalen Flughafen) dem Blogger-Lifestyle doch ein Stück näher gekommen. Und ja: Wir sind das Traumpaar, für das uns alle halten. Doch fangen wir am Anfang an. Da stand allem Anschein nach folgende, nicht gerade konventionelle, Kontaktanzeige:

Unbezahltes Praktikum, real: 20%, gefühlt: 200%. Dafür kriegst du: Stressakne, Selbstzweifel, Sternchen vor den Augen und Schlafmangel.

Verlockend, ne? Haben wir auch gedacht. Und werden dabei tatkräftig von unserem Umfeld unterstützt. Mit verbalen Schulterklopfern à la, „ich finde es echt toll, dass ihr das macht. Dass ihr da so viel Zeit investiert.“

Ja, das finden wir auch. Wir finden auch kuschlige Socken, Orgasmen und alles, was mit Käse überbacken ist, toll. Das Ding ist: Das braucht eigentlich niemanden zu interessieren. Genauso wenig interessiert uns, wie viel Zeit wir in kreisch investieren, denn Schreiben macht uns glücklich. Auch wenn Mama mal unsere einzige Leserin werden soll (Hallo, und ja, du darfst Kommentare hinterlassen, das ist uns nicht peinlich. Und sonst löschen wir sie wieder).

Das reale Leben ist kein Zuckerschlecken, das virtuelle erst recht nicht. Denn hier erzählst du vor einem mehr oder weniger – wir danken hier unserer wöchentlichen, hartnäckigen Fanbase von ganzem Herzen, wir lieben euch alle drei – anonymen Publikum Dinge, die du sonst nur in feuchtfröhlicher Runde diskutieren würdest.

Daher stellen sich jeden, wirklich jeden Sonntag, Fragen, die sich sonst nur in semi-kriminellen Aktionen zu Wort melden: Würde es auffallen, wenn ich heute einfach nichts poste? Würde es auffallen, wenn ich einen älteren Text nochmal poste? Würde es auffallen, wenn ich mich nach Katar absetze und dort unter falschem Namen, nein, Moment, meinem richtigen Namen, Früchte, die in die Schweiz importiert würden, mit diesen Scanstickers bekleben würde und so meine Zukunft sichere? – Ich denke, ich wäre ziemlich gut darin.

Doch eigentlich ist es erstaunlich, dass du, lieber Leser, dich noch nicht abgesetzt hast. Wir haben uns getraut, nachzuschauen, über welche Suchbegriffe ihr, kleinen Schlingel, uns findet. Zum Glück taten wir das zu Hause, wir haben noch nie solche Geräusche beim Lachen von uns gegeben.

Hier unsere Top 11 Suchanfragen, über die wir gefunden wurden:

  • menschen die alles ins lächerliche ziehen
  • eingefallene augenhölen
  • hentai sex
  • was soll das werden
  • halb fisch halb vogel halb frau
  • du bist nicht du wenn du untervögelt bist
  • japaner sex
  • was soll ich googeln
  • hemmungslos synonym
  • freundin finden im internet
  • tentakel synonym

Tja, bei dieser Klickfreudigkeit stellt sich gleich die Frage, ob wir mal mit dem Bloggen Geld verdienen wollen. Würden wir denn mit unserem eigenen Kind Geld verdienen wollen? Vermutlich ja. Da es dabei nicht nur um uns gehen soll, haben wir entschieden, wenn Werbeplatz: Dann nur für Pornoseiten, so hätten wir hier, wie es den Suchbegriffen nach den Anschein macht, einen fliessenden Übergang in eurem Abendprogramm geschaffen. Ganz selbstlos, nur für euch.

Als wir noch jünger, nicht ganz so zynisch, und voller pubertärem Tatendrang waren, dachten wir, wir wären der Inbegriff der Rebellion, des verbalen Kampfs gegen die Gesellschaft, die Norm, die Stimme unserer Generation!
Jetzt wissen wir: Wir sind ziemlich sicher die Stimme irgendeiner Generation. Und Humor haben wir auch – und wenn mal nicht – dann tarnen wir das ganz gut in „eventuell-könnte-das-ironisch-gemeint-sein“-Aussagen.

Ach und: Falls du dich in einem unserer Texte widererkannt hast – Hast du ziemlich sicher richtig erkannt.

Wenn du aber denkst, dass wir zwei lesbische Feminazis sind, die Männer hassen, müssen wir dich leider enttäuschen. Eher sind wir zwei linke «Trutschen» (wir wissen bis heute nicht genau, was das heisst, aber junge Männer in kurzärmeligen, karierten Hemden auf Twitter sprechen uns so an), die hoffen, von den Muselmannen unterworfen zu werden. Denn – mal mehr, mal weniger leider  – lieben wir Männer. Einer von vielen Punkten, bei denen wir wohl nicht dazu lernen werden.

Egal ob verliebt, verheult, verpennt oder verkatert: Wir schreiben unsere Texte nicht im Starbucks auf einer überteuerten Schreibmaschine, auch wenn wir die dicken Brillengläser dazu besitzen, sondern sitzen schön brav in unserer Wohnung am Laptop. Wie eigentlich fast jeden Tag.

Immerhin haben wir uns über das letzte Jahr hinweg einige Strategien entwickelt, um Schreibblockaden zu umgehen: Ein Glas Wein (wichtig, es sollte bei einem bleiben!) hilft eigentlich immer. Oder ein heisses Bad. Das ergibt dann die etwas weichgespülteren Texte.

(…Echt? So was tust du? Ich setz’ mich einfach hin, erbringe eine Opfergabe an die Götter, lasse den Stern am Boden hinter mir flackern und hoffe das Beste. Wörter, die Sinn ergeben.)

Und auch wenn wir immer wieder am liebsten abhauen würden, wenn wir einen unserer Texte posten, sind wir wohl nicht halb so provokant, wie wir das gern hätten. Zumindest hat noch kein Internettroll einen unserer Texte kommentiert (oder überhaupt gelesen?). Dabei war das, im Vertrauen gesagt, eines unserer Ziele. Ja, wir wollten sogar auf den ersten Hasskommentar anstossen. Mittlerweile sind wir so weit, dass wir jedem, der einen Hasskommentar postet, ein Bier versprechen.

Das finanzieren wir dann durch unsere ersten Porno-Werbeeinnahmen. Gern geschehen.