Bilder im Kopf

Wem wollen wir eigentlich gefallen? Uns selbst, dem anderen Geschlecht oder „der Gesellschaft“? Wobei – mir wird wohl für immer verschleiert bleiben, wer die Gesellschaft ist und was sie von uns will. Als ob das nicht schon genug kompliziert wäre, gibt es dann auch noch die Medien. Oder ist das etwa das Gleiche?

In Zeiten der sich verschiebenden Geschlechterrollen klammern wir uns an dem fest, was uns „richtig“ erscheint. Eine richtige Frau tut dies, ein richtiger Mann tut das. Vergessen geht, dass wir Menschen eben nicht in Schubladen passen. Doch das macht nichts, denn was nicht passt, wird passend gemacht.
Du hast kurze Haare, sag mal, bist du lesbisch? Du hast einen femininen Gang? Dann musst du wohl schwul sein. Aber hey, das ist ja ganz normal. Tags sind im Internet auch gerade der letzte Schrei. #somuchincommon. Die anarchistische Erweiterung des menschlichen Daseins ist, das haben wir schon lange gemerkt, nicht so naiv unschuldig, wie gedacht.

Wie uns das beeinflusst? Jeden wohl ganz anders. Bei mir äusserte sich das in drei Phasen: Ignoranz, Anpassung und Ablehnung. Ich erspare euch mein Teenagerdasein und springe direkt zu jener Zeit, in der ich mich jeden Tag mindestens eine Stunde lang mit meinem Aussehen beschäftigt habe. Wollte ich damals einem Mann gefallen? Ja. Nicht, dass ich mir das jemals eingestanden hätte.
Ich war um einiges jünger, hatte noch lange Haare und dachte, wenn meine Nägel nur perfekt genug lackiert wären und meine Schuhe immer zu meinem Mantel passen, dann würde sich auf magische Art und Weise das Tor zum Glück öffnen. Doch die Realität sieht anders aus. Denn, wenn du täglich eine Stunde in dein Aussehen investieren musst, um jemandem zu gefallen, wird er sich am Ende für das Mädchen entscheiden, dass sich zwei Stunden mit ihren Haaren beschäftigt. Und sich vielleicht auch nicht zu schade für eine Piepsstimme ist.
Tja, hier scheitere ich dann an meinen eigenen Vorurteilen und kann die Mädchen, an denen so alles aus Plastik und Lack zu bestehen scheint, bestenfalls müde belächeln. Doch da ist es schon passiert: Ich will doch gar niemanden verurteilen und akzeptiere Menschen (männlich oder weiblich) mit Shellacnägeln und Plastikbusen. Ich würde mich mit solchen Gadgets selbst verleugnen, für andere mag es der einzige Weg sein, sich auszudrücken. Solange du das für dich selbst tust: Go for it!

Natürlich ist unser Aussehen immer eine Mischung aus inneren und äusseren Faktoren. Auch bei mir. Früher war das anders. Meine Mutter, zum Beispiel, gehört noch zu jener Generation, in der die Frauen eher den Männern gefallen mussten, als sich selbst. 40 Jahre später bin ich auf der Welt und weiss plötzlich nicht mehr, wie ich aussehen soll oder will. Dabei wäre es doch so einfach!

Die Medien vermitteln uns jeden Tag das scheinbar perfekte Männer- und Frauenbild. Schneid dir eines aus, hänge es neben dem Spiegel auf und fang an, an dir zu arbeiten! Wäre ja inakzeptabel, wenn du dich so mögen würdest, wie du bist. Dann würdest du nämlich aufhören, Diätjoghurt und Kokosnusswasser zu konsumieren und plötzlich viel weniger Kleider einkaufen.

Aber bleiben wir beim Thema. Denn wider dem Wissen, dass all die Bilder bearbeitet sind, arbeiten Tag für Tag hunderte von Menschen an ihrer Idee des Astralkörpers. Heraus kommen wandelnde Karikaturen von Männlich- und Weiblichkeit. Ungesund, wer sich derart von aussen formen lässt.

Und trotzdem: Manchmal wünsche ich mir doch, ich hätte den perfekten Frauenkörper. Dazu brauche ich keine Bilder neben dem Spiegel aufzuhängen. Sie sind längst in meinem Kopf.

Alles, was ich tun kann, ist, sie zu hinterfragen.