Der erste Tag

 

Weisst du, wie lange der Orgasmus eines Schweins dauert? Klar weisst du das, schliesslich ist heute nicht dein erster Tag im Internet: Bis zu dreissig Minuten dauert er. So viel Zeit braucht der homo sapiens nicht: in den restlichen 29 Minuten und 20 Sekunden können wir noch vier bis sechs Emails beantworten, ein zweilagiges Sandwich machen, und einen Shitstorm auf dem Twitteraccount einer bürgerlichen Partei initialisieren. Oder dreissig Schweine künstlich befruchten. Jep. Das ist der Mensch.

Nach dem Jahr des Schweins, 2007, schien auch ein anderer Höhepunkt überschritten: ein geschichtlicher, mal wieder. Aber – falls wir jetzt tatsächlich das retardierende Moment runterrutschen – was war dann eigentliche die Klimax? Digitale Haustiere, Gummitwist und Tangas aus Hosen blitzen zu lassen und es gut zu finden?

Als unsere Nintendogs leise vor sich hinstarben, weil wir sie langsam vergassen, sehnten wir uns an den Höhepunkt davor; Die Zeit der Pokémon und die des Internetexplorers. Vorher war ich zwar noch nicht auf der Welt, aber ich vermute, dass sich Menschen da die Zeit der analogen Unrasiertheit zurückwünschten. Und da die Zeit vor dem Frauenstimmrecht. Und da die Zeit der Fransenkleider.

Die Nostalgie ist zwar nicht unser grösstes Gefängnis (das ist die Verteufelung von Kohlenhydraten), aber sie bringt uns dazu, nie mit dem erreichten Höhepunkt zufrieden zu sein. Die Überforderungen der Gegenwart – also Faceswaps, Terroranschläge und Sojawurst als ernstgemeintes Lebensmittel – lösen eine stetige Rastlosigkeit in uns aus.

Weil die Vergangenheit unerreichbar ist, verdammen wir uns halt dazu, neue Höhepunkte in der Zukunft zu suchen. Immer in der Hoffnung, dass sich die Sisyphos-Arbeit auszahlt und wir einen Zenit erreichen, den wir nicht wieder verlassen müssen.

Obwohl wir eigentlich wissen; Heute ist nicht besser oder schlechter als gestern. Sojawurst mit Schnittchen zu vergleichen, die mit Sulz überzogen sind, macht etwa gleich viel Sinn, wie zu behaupten, das eines davon lecker sei. Keinen. Es ist nur anders. Aber dieses Wissen befriedigt uns nicht. Das ist nicht der Mensch.  

Stattdessen wollen wir, das behaupten wir zumindest von unserer Rasse, frei sein. Aber:

Weisst du, was mit dem Vogel passiert, der in ein Haus fliegt, da umher irrt und dann nach draussen gerettet wird? Nichts. Er irrt einfach draussen weiter. (Blödes Federvieh, du erinnerst mich bis heute an mich selber.) Apropos: Bald beginnt das Jahr des Hahns. In diesem Sinne: Lasst uns umher irren.