Der Untergang – eine Bastelanleitung

Ich bin eine starke Vertreterin des „Trag alle Einkäufe auf einmal – oder stirb beim Versuch“ – Mantras. Bald ändert sich diese Einstellung vielleicht zu  „Trag alles auf einmal oder ich zieh dir den Stecker, du besserer Dosenöffner.“
Roboter sind auf dem Vormarsch. Aber: Von wo kommen sie, wo stehen sie jetzt und wann überholen sie uns?

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Schon spannend: Dieser Drang, etwas zu kreieren, das uns irgendwann ablösen, vielleicht auch zerstören, wird.
Wie es dazu kam? Hier ein Original-Auszug meiner Fantasie.

Das Brainstorming der Bösen und allen, die einen Krümel des Dark Side Cookies wollten:

Bösewicht 1 Wir haben uns heute hier versammelt, weil der Plan mit dem kleinen Schnauzer nicht geklappt hat. Wir brauchen Ideen Leute, Ideen!
Konservierter Maya Wie wär’s mit etwas Traditionellem? Komplette Mondfinsternis oder so? Vulkane brechen aus, die Ozeane bäumen sich auf und verschlucken alles? Seine Augen flackern begeistert in der Salzlake.
Bösewicht 1 Nennen wir das mal den Backup-Plan. Mit einem Kopfnicken zum Protokolleur Setz mal etwas an einem besonders mysteriös wirkendem Datum an, sonst glaubt uns das wieder keiner.
Konservierter Maya Aber..
Bösewicht 1 Bringt ihn mit der hochgezogenen Augenbrauen über seiner Augenklappe zum Schweigen.
Bösewicht 2 Was ist, wenn wir die Menschheit mit ihren eigenen Waffen schlagen? Sie könnten etwas kreieren, das ihnen so natürlich scheint, dass sie ihren Untergang gar nicht bemerken werden.
Echsenmensch Du meinst, eine Spezies, die ihnen über den Kopf wächst?
Bösewicht 2 Genau, und das beste daran: Wir brauchen gar nichts zu tun, ihr Grössenwahn wird Treibstoff genug sein. Sie werden es geradezu wollen.
Bösewicht 1 Gefällt mir. Sitzung beendet! Ab in die Mittagspause, die Menschheit wird das schon hinkriegen. Sonst noch jemand Lust auf Geschnetzeltes?

Schritt 1: Aufstehen
Der Startschuss zu „Basteln wir uns einen Menschen, nur besser“ war gefallen. Bei einem Rennen ist bekanntlich im Vorteil, wer die Kunst des Gehens beherrscht. Kein Problem für uns Menschen, geradezu ein Homosapiens Homerun: Muskeln, Gehirn und die Nervenverbindungen dazwischen. Drei Dinge, die uns naturgegeben sind, den Robotern hingegen fehlten. In den Achtzigern gab es einen Roboter, der fast zwanzig Sekunden brauchte, um einen Schritt zu machen. Ich glaube ja, dass diese Art der künstlichen Intelligenz immer noch unter uns weilt und uns dort angreift, wo es am meisten weh tut: an den Kassen in Supermärkten. Von dort aus versuchen sie die Menschheit auszulöschen – in dem sie uns in der Schlange verhungern lassen.
Der erste Roboter, der einem Menschen ähnlich sah, wurde in den neunziger Jahren entwickelt. Er war doppelt so schwer, wie ein ausgewachsener Mann – sein Nachfolger war um einiges leichter und bewegte sich schon viel „natürlicher“. Etwa so „natürlich“ wie der Typ, der im Club immer zufällig neben dir auftaucht, deine Bewegungen nachahmt und dir dann entweder Meth verticken oder abkaufen will.

Schritt 2: Weltherrschaft an sich reissen
Das Geschäft mit den industriellen Robotern hatte vor allem die japanische Regierung für sich entdeckt, und investiert seither in die Entwicklung mechanischer Diener. Im Jahr 2014 stieg die Zahl der Roboter in den Fabriken weltweit um 225′ 000. Wenn dann alle Arbeitsplätze von bösen Robotern und bösen Ausländern geklaut worden sind, was tun wir Menschen dann?
Wir trinken Limo (oder was man halt so in der Zukunft trinkt) und stehen daneben. Rufen von Zeit zu Zeit Befehle, rülpsen gegebenenfalls. Bis jetzt sehe ich noch keinen signifikanten Unterschied zu einem gemütlichen Teamwork.

Wie lange dauert es aber, bis Roboter auch in unserem Privatleben stehen, unsere Einkaufstüten schleppen, unsere Zähne putzen und unsere Hass-Emails verschicken? (Uuuups, Tschuldigung Barbara, mein E489 hatte wieder einen Kurzschluss, ich hab ihm noch gesagt, er soll von der Tastatur fernbleiben!)
Der Robosapiens: Unser Spiegelbild aus Metall, Plastik und Silikon. Dabei gibt es nur ein Problem – Er darf nicht wie ein Mensch aussehen. Solange Roboter nicht genau so aussehen, wie wir Menschen, werden wir ihnen nicht vertrauen. Wenn ein Roboter versucht, wie ein Mensch auszusehen, messen wir ihn auch an denselben Massstäben, wie einen Menschen. Und solange auch nur das kleinste Detail im Gesicht eines Roboters unnatürlich wirkt, werden wir ihn als creepy empfinden. (Und wieder: Ein Zeichen dafür, dass Roboter schon lange unter uns leben.)

Deshalb war mir diese junge Robo-Lady zunächst auch so unsympathisch. Mal abgesehen davon, dass sie Witze darüber reisst, die Menschheit zu zerstören. Ja, ja, liebe Sophia. Dieses pseudo-ironische Grinsen kenne ich – wenn ich im Alltag so tue, als ob ich kein Interesse am dunklen Keks hätte. Ausserdem verziehe ich meine Mundwinkel genau wie du. Einfach in anderen Situationen als bei einem Vorstellungsgespräch für die Apokalypse. Wenn zum Beispiel jemand im Zug neben mir Bockwurst isst. Wenn ich mal wieder (aus Versehen) im unheimlichen Teil des Internets lande. Oder wenn mir jemand etwas verkaufen will, das mehr als einen Kaugummi kostet. Ob ich will oder nicht, ich kann mich mit dir identifizieren.

Schritt 3: Konservierten Maya anrufen
Und falls wir es doch nicht hinbekommen, uns durch künstliche Intelligenz zu ersetzen, haben wir unterdessen ja auch noch einen anderen Ansatz gefunden. Uns selbst so weit zu optimieren, bis wir unsere Menschlichkeit, wie wir sie bis anhin kannten, hinter uns lassen. Vielleicht könnten wir die Roboter auf halber Strecke treffen und dort Limo trinken. Dank Schönheitsoperationen, Stammzellenforschung und pränatalen Untersuchungen haben Individualität, Hipster und komische Muttermale an komischen Stellen vielleicht bald keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Und niemandem wird auffallen, ob unter deiner Haut ein Herz oder ein Computer pulsiert. Es kann also gar nichts mehr schief gehen. Und falls alles nichts hilft, beziehungsweise zerstört, hätten wir ja auch noch den Atombomben-Plan rumliegen. Unauffälliges Kopfdrehen Richtung Bösewicht 1.