Die bösen Medien

Gegen die Medien zu wettern ist nur Symptom-Bekämpfung: Veränderung folgt nur auf Aktion. Und damit meine ich nicht die linke Hand auf dem Oberschenkel und die rechte auf dem Stammtisch platzieren.

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Eigentlich lesen wir doch alle mehr oder weniger heimlich die „20Minuten“ und freuen uns, dass wir alles verstehen. Über leichte Formate informiert es sich einfacher – und man findet bei Gelegenheit den ein oder anderen Rechtschreibefehler: Gibt nichts besseres für das Ego. Jedenfalls meins.
Allerdings gibt es auch Menschen, die ihren Intellekt gerne vertiefter ausleben. Am besten mit Posts, die auf Seiten mit sinngemässen Namen wie: „verschwörungstheorie.seriös.info“ verlinken. Nicht, dass ihnen unbewusst ist, dass sie da in den obszönen Teil des Internets gerutscht sind. Vielmehr sehen sie sich gezwungen auf solche Quellen zurückzugreifen: Die Mainstream-Medien enthalten uns schliesslich die Wahrheit. Oder?
So oder so: Sie sind der dunkle Teil unseres Alltags, den wir tolerieren bis brauchen, um dieses Zeitalter zu bestehen.

Wie nutzen wir die Medien?
Immer und überall. Facebook zum Frühstück, 20 Minuten zum Mittag, Blick am Abend zum Aufregen, 9gag zum Einschlafen und häppchenweise Whatsapp über den Tag verteilt.
Denn: Nichts befriedigt unsere Bedürfnisse nach Information und Unterhaltung so effizient wie Medien.

Wie beeinflussen uns die Medien?
Das lässt sich erklären, wie der Reifeprozess einer Avocado:
Schnell. Wenn wir es nicht bemerken. Und mit Konsequenzen auf unsere Gemütsverfassung.

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Weil wir alle selbstdenkende und -handelnde Persönlichkeiten sind: Die Medien sagen uns nicht, was wir denken sollen, aber worüber wir uns Gedanken machen sollen. Das schon.
Ich finde das prima. Sonst bliebe mir nur das Wetter als Feile im Brot, wenn ich mit mittelbeliebten Bekanntschaften in einer Smalltalk-Situation gefangen bin. So kann ich mich auch in Konversationen in den Kategorien Politik, Sport und Lifestyle flüchten.
Die Medien können unsere Meinungen wohl festigen, aber nicht komplett umkrempeln.

Wenn ich meinen Rasierschaum mit Kokosnuss mag, stimmt mich da auch keine Aloe Vera-Werbung mit motivierendem Göttinnen-Sound im Hintergrund um.

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Was geben uns die Medien?
Das, was wir wollen. Oder?
Da muss doch so ein Angebot-Nachfrage-Verhältnis bestehen. Stellt sich nur die Frage, was zuerst war: Das Büsivideo oder der Kuschel-Konsument?
Dazu kommt unser Drang nach „möglichst viel, möglichst gratis, möglichst jetzt“. Damit dem Pendler jeden Abend eine Zusammenfassung des Tages auf dem vorgewärmten Sitz klebt, müssen folglich Opfer in der Qualität gebracht werden.

Treiben wir den Nachrichtenjournalismus mit unserer Schnelllebigkeit in die Copy-Paste-Enge?

Wer sind die Medien?
Klar, nicht in allen Breitengraden sind die Menschen so unabhängig von der Presse wie hier. Klar auch, dass man nicht alles glaubt, was so steht und redet in den Medien. Aber was oft vergessen geht, und das nervt mich ein bisschen, so wie die Sache mit der Avocado:
Hinter den bösen Medien stecken – Überraschung – auch nur Menschen. In meinem Multimedia Production Studium wirken die meisten davon (Hallo zusammen!) eigentlich ganz ok, und ich glaube nicht, dass einer von ihnen euch prinzipiell etwas Böses will. Vertraut mir da, ich will auch mal „Öpis mit Medien“ machen.

Die Medien sind unser digitaler Garten Eden – und ja, da gibt’s auch Schlangen. Aber die erkennt man an den Schuppen.

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