Die Geschichte dreier Geister

Kleine Kirche, oder Mehrzweckgebäude, schwer zu sagen, PowerPoint-Präsentation, stolze Gesichter, hohe Absätze, (zu) viel Lidschatten: eine Konfirmation. Wann war ich eigentlich zum letzten Mal in der Kirche? Vermutlich zu einer anderen Konfirmation. Ich bin auch konfirmiert. Wieso eigentlich? Meine Eltern haben mir auch sonst Geschenke und Geld versprochen. Materialismus und Religion fallen also beide als Motiv weg… Ah ja: süsser Typ in meinem Konfirmationsunterricht. An dich denke ich immer, wenn ich meine Kirchensteuer zahlen muss. Danke dafür.

kreisch-menschen-kirche«Wie alt bist du?», fragt mich ein kleiner Junge von links, seine erste Frage.
«Was denkst du denn?», frage ich zurück.
«54», meint er, und er meint es ernst.
«Stimmt», seufze ich und meine es auch ernst.
«Wie heisst du?»
«Was denkst du denn?»
«Das ist unfair. Du musst mir schon einen Hinweis geben.»
«Ist ganz einfach und beginnt mit A.»
«Ananas?»
Ich lache unfreiwillig: «Lass mal das „-nas“ weg.»
«Anna», stellt er fest, «Wie schreibt man das?»
«Ohne S. Sei jetzt still.» («Sei jetzt still?» Wann wurde ich nur so 54?)

«….im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes», wandelt es zwischen meinen Ohren durch.
«Immer dieser heilige Geist», murmelt mir ein alter Mann von rechts zu.
Schön, wie ich mich hier zum Medium entwickle.
«Mhm, das braucht man doch mehr so als Floskel, oder?»
«Stimmt. Mir war er ja auch lange ein Rätsel, was er ist und was er kann. Und dann bin ich mal ins Internet gegangen und habe diesen „Geist“ gesucht.»

Es bleibt keine Zeit zu lachen, aufstehen, jetzt wird gesungen. «We are the world». Ich singe, und erinnere mich an die Musikstunden in der Schule. Und wie sehr ich alle Lieder aus diesem Unterricht hasse.

«Wieso singst du?», kommt es von links.
«Weil die anderen es auch tun.»
«Wie heisst das Lied?»
«We are the world.»
«Was heisst das?»
«Wir sind die Welt.»
«Hä? Das macht ja gar keinen Sinn.»
«Wieso nicht?»
«Na, ich bin doch ich, und du bist du.»

Die Melodie verstummt.

«Und dann bin ich auf diese eine, sehr gute Seite gestossen.»
Ahja, da war doch noch was, ich drehe den Kopf nach rechts.
«Und?»
«Der Geist sei alle Erfahrungen, die wir gemacht haben und auf denen unser Verhalten und unser Verstand aufbaue. Und deshalb sei der Geist auch formbar.»

«Wie alt bist du eigentlich?», reisst mich der kleine Junge zurück.

Ich überlege, ihn zu ignorieren, aber sein Blick ist auch diesmal ehrlich fragend.

«21», und ich meine es ernst.