Die letzte Nacht

Die letzte Nacht,
macht nichts.
Was ändert sich schon?
Ist ja nicht so,
als ob
wir unsere alte Haut abstreifen,
wie eine Schlange
und dann alles anders,
besser und Weltfrieden ist.

10,9,8
Das Leben ist immer furchtbar:
Die meisten können nichts dafür,
sind trotzdem verantwortlich.
Wir werden geboren und sind schuldig, sind
Teil der ganzen, grossen
Scheisse.

3000 Flüchtlinge,
noch mehr, gestorben,
gepostet, vergessen gehend,
in den Wellen
von Social Media.
Deine Timeline macht die Welt
nicht schlechter, zeigt nur besser,
was schief läuft.
Mit uns, dir, mir, Donald Trump,
allen.

Das Jahr ist rum und
anstatt an den kleinen Aylan,
denkst du an deinen Ex,
weniger an Ebola
als an Semesterprüfungen.
Nicht an German, aber an
After Party Chicken Wings.

Und der Nebel in deinem Kopf setzt ein,
legt sich über die Attentate in Paris.
Die Augen geschlossen,
die Lippen nicht blau, nicht weiss,
nur rot.
Denn: Das bist du.

7, 6, 5, 4,
Das ist Autobiografie, die du tanzt,
auf der schmutzigen Fläche unter dir.
Und du lächelst.
Du kannst nicht Verantwortung tragen,
für alle und alles,
nur noch gebückt gehen,
den Blick senken,
um sicher zu sein,
dass deine Füsse keinem zu nahe treten.
Die letzte Nacht
und du machst,
nichts
ausser zu leben.

Denn Schlimmes passiert immer
wieder und
wieder.
Wie die flackernden Lichter dein Gesicht küssen,
nur dass sie nicht küssen,
sie schlagen,
und du stehst, mit dem Rücken zur Wand.

Und ja, an anderen Orten sterben Menschen,
jeden Tag, jeden Moment.
Und doch,
lieben Menschen,
immer, auch in Indien, Ostafrika,
Paris, Beirut,
im Zimmer nebenan.

3,2,1
Die nächste Nacht ist
ein Anagramm
von dir.
Es wird nicht von alleine anders,
wird nicht besser,
also tanz.