Die Nixe im Glas

Die Nixe im Glas, sie singt ihr Lied:

Weder zu Wasser
noch zu Land
zu Haus.
Keiner versteht,
meine verdammte Seele.

kreisch-marmelade-nixe-gebiss

Sie schlängelt und räkelt sich in ihren Wassern – und es wirkt:
An den Ufern tauchen zwei spitze Zähne auf,  ihre Enden in den Schatten eines dunklen Mantels: Er verdeckt einen Kopf, den keiner versteht, einen Körper, den keiner will. Die Lefzen weiten sich und setzen an, das Wasser der Nixe perlt und verschwindet im rot blutenden Mund.
Zufrieden mit sich selbst wirft sie sich ins Wasser zurück, grinst und singt:

Kommt nur,
labt eure Abgründe
und
ertränkt eure Sorgen
in meinen Wassern.

kreisch-marmelade-nixe-ohren

Ihre Schuppen blitzen auf und finden sich in der Reflexion zweier scheuer Augen wieder. Die steifen Ohren sind das einzige, was mutig scheint.  Entschlossen schluckt die kleine Schnauze und hinterlässt einen rosa Abdruck, der unsichere Muster zieht.
Die Flossen der Nixe zittern an der Luft – Entschlossen knallt das Glas auf etwas Hartes, droht zu zerspringen. Die Nixe purzelt gegen den Rand, schluckt ihr eigenes Wasser, spuckt und singt:

Trinkt,
und lasst euren Atem
nach oben steigen:
Luftblasen, weiss wie ihr selbst.
Sinkt,
zu meiner verdammten Seele.

kreisch-marmelade-nixe-hexe

Ein Schatten zieht durch das gewölbte Glas: Der Buckel scheint so noch grösser. Er drückt auf ihr Herz. Schwer, zieht alles mit sich nach unten. Die Warze ist Kunst, die Nase echt. Gefärbte Tropfen ziehen ihre Spuren, fallen ins Wasser und schwappen zurück in den Mund. Die schwarzen Lippen pressen sich zusammen, lassen die letzten Tropfen versiegen. Um das Glas schlingt sich weiss die Hand, voll Wut, voll Zweifel. Und auf dem trockenen Grund windet sich die Nixe; wie eine Natter.

Sie faucht, sie beisst.
Das Glas zerspringt.