Erste Hilfe Kurs: Wie begeistere ich mich?

Wenn wir klein sind, also nicht ganz klein, aber gerade gross genug, um zu gehen, wollen wir nur eins: Die Welt entdecken. Jedes Blatt am Strassenrand ist unsere potentielle grosse Liebe, jede Wiese da, um sich reinzulegen, jede Schnecke existiert, um ihren Schleim auf unserer Haut zu spüren. Wir können uns an allem und jedem begeistern. Und wenn gegen Ende des Jahres alles leuchtet, glitzert und klebrig ist, sind wir so zufrieden wie nur menschenmöglich.

Aber wenn wir grösser werden, gerade gross genug, um kritisch zu sein, werden wir gebremst. Von denen, die gerade gross genug sind, um Dinge besser zu wissen.
«Was am Boden liegt, liest man nicht auf. Spiel nicht mit Tieren, die klebriger sind als du. Und ganz wichtig: Spiel bloss nicht mit dir selbst. Das gehört sich nicht. Und bevor ich es vergesse, den Weihnachtsmann gibt es ausserhalb deiner Fantasie, dem Einkaufszentrum und theme based porn auch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte, die deine Neugierde und deine Begeisterung für natürliche Vorgänge zerstören wird. Wart’s nur ab.»

Und dann, ein paar Jahre später, wenn wir gerade alt genug sind, um Alkohol zu trinken, sitzen wir mit unserem siebten Glühwein in der Deckung des Tannenbaums und regen uns auf. Über die Verwandten. Die Kommerzialisierung von Weihnachten. Darüber, dass wir unseren Keks-Konsum auch diesen Advent wieder nicht unter Kontrolle hatten und: Über die Kinder, die rumschreien, Dinge umstossen, quietschend vor Freude, und dass sie Geschichten nicht oft genug, und möglichst hintereinander, erzählt bekommen wollen.

Die Begeisterung in uns ging verloren. Nein. Wir haben sie zerstört.
Es liegt nicht am Weihnachtsstress. Es liegt nicht an «Last Christmas» von Wham! und es liegt auch nicht am Kommerz. Es liegt an uns.

Wenn wir gross sind, gerade gross genug, um zu merken, dass wir nicht mehr begeistert sind, sollten wir deshalb folgendes tun: Uns gegenseitig dazu ermutigen. Und wenn das nicht hilft, uns dazu inspirieren. Denn Begeisterung führt dazu, dass sich im Hirn etwas tut. Und macht Mariah Carey im Advent erträglich(er).