Grün ist das neue Rot

Was haben McDonalds, Coca-Cola und regionale Bioprodukte gemeinsam? Genau, sie setzen auf einen Farbakzent: Das „gesunde“ Grün. Andere Lebensmittelhersteller haben auch schon viel wildere Farben ausprobiert. Doch was erhoffen sie sich eigentlich davon?

Farbpsychologen sind sich einig: Jede Farbe hat ihre Bedeutung. Rot ist leidenschaftlich, Grün gesund, Gelb fröhlich, Blau vertrauenswürdig, Schwarz elegant und Weiss unschuldig. Das gilt zumindest für unseren westlichen Kulturkreis.

Oft möchten sich Unternehmen diese Eigenschaften zu Nutze machen und durch ihre Farbwahl potenzielle Konsumenten beeinflussen. Als höchste Kunst gilt dabei eine Farbe zu „besitzen“: Der Wiedererkennungswert der Farbe soll so stark sein, dass sie genügt, ein Produkt dem Hersteller zuzuordnen.

Und: Kannst du der Farbe die Marke zuordnen? (Fahr mit der Maus über die Farbfelder, um die Lösung zu sehen.)

Airbnb: #fd5c63
Coca-Cola: #ed1c16
Android: #a4c639

Quelle.

Besonders die Lebensmittelindustrie scheint sich stark mit der Wahl ihrer Farben auseinanderzusetzen. Zum Beispiel soll erwiesen sein, dass die Kombination Rot-Gelb den Appetit anregt. Kein Wunder, sind beinahe alle Fastfood-Logos (Wendy’s, KFC, McDonald, Burger King, Pizza Hut,…) in diesen Farben gehalten.

Und: Ich erkenne es an mir selbst: Gerade was Essen angeht, ist der Mensch bei Farben heikel: Die Banane hat zu viele braune Stellen? Weg damit. Das Violett der Aubergine fällt aus dem Rahmen? Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie essen soll.

Es ist daher auch ein Risiko, wenn man als Lebensmittelhersteller mit Farben experimentiert. Das musste auch die H.J. Heinz Company am eigenen Leib erfahren. 2002 brachten sie „Funky Fries“ auf den Markt: Blaue Pommes Frites sollten vor allem Kinder zum Konsum anstacheln. Ein Flop. Innerhalb eines Jahres wurden die musikalischen Frites wieder aus dem Sortiment genommen. Bemerkenswert: Etwa zur selben Zeit färbte Heinz sein Ketchup Grün. Und brachte damit einen Kassenschlager auf den Markt.

Blau ein Flop, Grün Top – Zufall? Fakt ist: Es gibt kaum natürlich blaue Lebensmittel. Sogar Blaubeeren sind streng genommen Violett. Erklärungsversuch der Biologie: Um von einem Vogel gefressen zu werden, mussten sich Frucht und Gemüse schon immer möglichst stark von ihrem (grünen) Umfeld abheben. Nur so werden ihre Samen möglichst weit verbreitet. Resultat sind gelbe und rote Esswaren im Überfluss. Etwas Blaues zu essen ist dem Homo Sapiens daher fremd.

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Zufall? Die blauste Frucht der Welt, Decasinea Fargesii, hat den Spitznamen „Dead Mans Finger“.

Warum funktioniert Grün für Lebensmittelhersteller aber so gut? In der Welt des Geschmacks gilt etwas Grünes eigentlich eher als unreif oder sauer. Dennoch: Zwischen 1990 und 2010 ist etwa die Anzahl Logos in der Farbe Grün stetig angestiegen. Marktforscher erklären sich diesen Anstieg auch mit der „grünen Welle“. Die Menschen wurden umweltbewusster und verlangten auch von Unternehmen ein Nachhaltiges Handeln. Was vermittelt Naturverbundenheit besser als Blattgrün?

Klar, was McDonalds und Coca-Cola mit dem Wechsel zur Farbe bezwecken wollen. Durch sogenanntes „Greenwashing“ führen sie Konsumenten hinters Licht. Grün hinter den Ohren sind sie in diesen Dingen nicht: Sie wissen, dass der Schein beim Konsumenten oft wichtiger ist als das Sein. Und für alle, die es noch immer nicht wahrhaben wollen: Nein, die Coca-Cola Life ist nicht wirklich gesund. Und so verliert auch das „gesunde“ Grün allmählich wieder an Bedeutung.