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Die Luft ist schwer, das Licht kühl-weiss. Dicht gedrängt stehen schwitzende Menschen vor einem Gemälde – und nur diesem einem Gemälde. Dutzende, wenn nicht sogar hunderte, reihen sich aneinander. Viel zu erkennen ist nicht. Ein Grund mehr, das Smartphone zu zücken und ein Foto des Gemäldes zu schiessen. Oder mit dem Smartphone ein Bild von einem Smartphone, das ein Bild vom Gemälde macht zu machen.

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Unbeirrt lächelt Mona Lisa weiter. Blickt vielleicht mich an oder blickt in weite Ferne. Panzerglas und Menschentraube erinnern an einen Besuch des Papstes. Mona Lisa, die Päpstin des guten Geschmacks, in ihrem Monamobil, umringt von ihren Jüngern, die ganz hysterisch werden, vor lauter Liebe. Immerhin wird sie so nicht durch die Blitze geblendet.

Jeder Sprössling der westlichen Kultur hat ihr Gesicht schon gesehen und jeder hat ihre Geschichte gehört. Alle wissen, dass Mona Lisa ein ganz spezielles, ein wichtiges Gemälde ist. Warum? Das spielt doch heute keine Rolle mehr.

Während sich ihre Jünger um sie versammeln, versuchen sie sich in begeisterten Ausrufen zu übertönen. „Unglaublich“, „grosse Kunst“, „sowas gibt es heutzutage nicht mehr“, rufen, jauchzen, schreien sie auf allen sozialen Kanälen. Und grosse Kunst ist das Bildnis der Madonna Lisa ja auch.

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Hundertfach lächelt sie darum vom Souvenirshops in aller Welt. In allen Variationen, mit oder ohne Hut, mit oder ohne Snapchatfilter. Völlig schamlos wird sie im Pop Art Stil und als Kopie eines Andy Warhols verkauft. Und auch das Internet wird durch die zeitlose Schönheit Mona Lisas verschönert.

Ihr Gemälde ist unbezahlbar. Ihr Abbild aber schon tausend- wenn nicht millionenfach verkauft und verschenkt. Dadurch hat sie eine Berühmtheit erlangt, die sich Britney Spears und Rihanna nur wünschen können. Die Kopien aber werden von Kunstkritikern höchstens mit einem verächtlichen Schnauben beachtet. Mona Lisa mit Hundeohren? Duckface? Tattoos? Bitte, was soll das denn sein?

Doch nicht jeder von uns ist ein Kunstkritiker. Und gerade durch schlechte Kopien und flache Witze schafft es Mona Lisa, relevant zu bleiben. Alleine, hinter Panzerglas, wäre sie nicht halb so bekannt. So aber bleibt sie ein Symbol, Wahrzeichen für Vollendung und gleichzeitig ironische Pointe.

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