Plädoyer für Präpositionen

Bindewörter machen in der Sprache, was das Wetter mit dir und deinem Nachbar macht: Sie verbinden. Die kleinen Wörter sind der Social Grease der Grammatik, ohne sie fällt jeder noch so gute Satz auseinander. Oder zumindest das Verhältnis, das ich bis anhin noch mit dir pflegte.

Jugendsprache: effizientere Kommunikation?
Es gibt fast nichts Unsexieres, als wenn mich jemand fragt: „wo gosch?“.
Gute Frage.
Wohl eher nicht zu dir.
Aber ich kann dir sagen, wo du gosch, lieber Rechtschreibe-Rabauke. In eine Schublade, wo du dich gleich mal den Menschen, die immer noch soO schre3iiben oder in erster Linie durch die Affen-Emojis kommunizieren, vorstellen kannst.
*___*  Richtig gehört.
In der deutschen Sprache werden je länger je mehr Wortarten wie Präpositionen und Artikel weggelassen- Aber wieso?
In der geschriebenen Sprache kann ich das Weglassen von Buchstaben  ja noch nachvollziehen. Es geht halt Zeit verloren, wenn man auf der Tastatur den Umweg über das „h“ und das „i“ tippen muss. Wertvolle Zeit, die man in die Auswahl des passenden Smileys investieren kann.
Ist diese Wandlung der Sprache also ein Resultat unserer schnelllebigen Generation Y? Und das Auslassen von Schnickschnack wie Verbzusätzen die logische und effiziente Konsequenz? Oder ist:

Präpositionenfreier Slang- ein Attribut der Krassen?
Jugendliche mit Migrationshintergrund, Secondos, und solche, die es gerne wären – schuldig!
Oder?
In einigen Sprachen gibt es (fast) keine Präpositionen, zum Beispiel im Türkischen. Aber Albanisch, Serbisch, Russisch, Italienisch, Französisch und ziemlich viele andere sind mit ihnen vertraut.
Wird Deutschlernen mit einer Chance, diese Wörter zu umgehen, verwechselt?
Glaube ich nicht. Ich habe mich noch nie mit jemandem unterhalten, der gebrochen Deutsch spricht, und deshalb konsequent Präpositionen weglässt. Im Gegenteil; oftmals wird versucht, sie richtig einzusetzen.
Angeklagt sind vor allem Jugendliche, die alle Voraussetzungen zu einem guten Deutsch erfüllen. Hier geboren, hier aufgewachsen und hier zur Schule gegangen.
In einigen Fällen liegt dem Slang ein wohl soziales Phänomen zu Grunde; sich von anderen abgrenzen. Von solchen, die eine höhere Schule besuchen, die Bücher lesen und so Dinge wissen wie „Delfine sind Säugetiere“ und „schwarz ist keine Farbe, sondern eine Helligkeitsstufe“ und die solche Aussagen mit dem Zurechtrücken ihrer Brillengläser untermauern. So will man natürlich nicht enden; uncool und verbal korrekt.
Aber keine Sorge; mittlerweile umgeht dieser Trend gekonnt Bildungsschichten, Herkunft und politische Einstellungen. Wer will, lässt weg.
Da stellt sich mir die Frage:

Linguistische Sackgasse oder verbaler Kompost?
Klar, Sprache verändert sich. In dieser Flexibilität liegt ja auch eine gewisse Schönheit. Und vielleicht entsteht ja im Phoenix-Style etwas noch viel Cooleres aus unserer Sprache, wer weiss.
Ich jedenfalls nicht. Und plädiere deshalb für ganze Sätze, die Verwendung von Verbzusätzen und den Einsatz von Präpositionen (und eine crocsfreie Welt). Lasst mindestens eines geschehen, sonst sehe ich schwarz für die Sexyness unserer Gesellschaft. Zumindest so, wie ich sie mir vorstelle.