Plädoyer gegen den Weihnachtsmann

Die Vergangenheit wiederholt sich bekanntlich immer und stetig. Ohne dass die Menschheit dazu zu lernen scheint. Dieses Mal meine ich aber nicht die bösen Kreaturen der Weltgeschichte. Obwohl auch der Protagonist dieses Texts eine markante Gesichtsfrisur pflegt: Der Weihnachtsmann.
Wir lernen ihn kennen und lieben und finden raus, dass es ihn nicht gibt (`Tschuldigung, falls ich das vorweg genommen hab’) und sind enttäuscht und beginnen Weihnachten mit anderen Augen zu sehen und dann? Und dann erzählen wir unseren Kindern denselben Mythos-Mist.

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Zur Rekapitulation:
Ein Mann im roten Mantel bringt den Kindern Geschenke, wenn sie artig sind. Und sonst auch.
Dann bedanken sich die Kinder bei ihren Verwandten für die Geschenke.
Und wieso?
Ach ja! Jesus. Der wäre in den letzten elf Monaten fast vergessen gegangen. Zum Glück haben wir Ende jeden Jahres das rot-grüne Ereignis, dass uns die Nächstenliebe wieder näher bringt.

Kinder glauben allerhöchstens drei Jahre lang an den Weihnachtsmann – dann wandert er in das Departement der schlechten Erfindungen; zum Osterhasen, der Zahnfee und den guten Tischmanieren. Ich kann ihnen das nicht verübeln. Denn, objektiv betrachtet, ist das Weihnachtsmann-Konzept etwa so gelungen wie das diesjährige Kommunikations-Konzept von VW.  Wir denken uns, dass etwas faul ist, dann krümelt die Wahrheit ans Tageslicht und am Schluss geben wir uns trotzdem empört.
Und wenn dann auffliegt, dass der Weihnachtsmann eigentlich gar keine Rolle spielt und eigentlich gar nie eine gebraucht hätte – was habt ihr dann, liebe Eltern? Genau: Gelogen.
Und ab dann muss sich der Weihnachts-Teilnehmer jeden Dezember in ein gesellschaftliches Konstrukt quetschen, dass ihn

  1.  fett macht
  2. wieder mal zeigt, wie pleite und
  3. wie unkreativ er im Schenken ist.

Weil es ja schön und Nächstenliebe und Besinnlichkeit und vielleicht ein nostalgischer Hauch Religion ist. Das äussert sich unter anderem in peinlich betretenem Schweigen im Radius von einer Tannenbaumbeleuchtungs-Reichweite und dem daraus folgenden übermässigen Eierpunschkonsum.
Und wieso das? Damit die Kinder um Weihnachten rum brav sind. Ein dicker Mann mit Bart als Erziehungsmethode, deren pädagogische Krönung Geschenke unter einem Baum ist.

Ho Ho Hör mir auf.

„Ich hasse Weihnachten.“ Habe ich dieses Jahr für jeden Adventstag präventiv schon einmal gehört, oft zwischen lebkuchenverklebten Lippen hervor. (Und ja: Dieser Satz quetschte sich auch zwischen meinen – unterdessen schon wieder sehr kariesgefährdeten- Backenzähnen durch. )
Wir Weihnachtsverkorksten überstehen die Festtage nur mit einem Mix aus viel Glühwein, Keksen und der Gewissheit, dass es vorüber geht.

Deshalb plädiere ich dafür, dass wir uns ein besseres Konzept ausdenken. Eins, das Zimtsterne, Lachen und das Glänzen in den Augen ohne Alkoholeinfluss verbindet. Ohne dass der bärtige Mann aus der Cola-Werbung reinfunkt. Denn wir sollten uns darauf verlassen können, dass das reicht, wenn die Weihnachtslichter ausgehen und die Geschichte von vorne beginnt.