STAMMTISCH-GSPRÖCH

Ein runder Holztisch. Im Hintergrund eine getäferte Wand. Die Fenster sind mit weissen Spitzenvorhängen verhangen. Links die Bar, rechts die Eingangstür, davor ein Kleiderständer. Einzige Lichtquellen sind die runden Hängelampen über dem Tisch und ein schwaches Licht hinter der Bar.

CHRISTOPH räuspert sich. Jo und, wie laufts so uf de Boustell unde?
MARKUS schweigt.
CHRISTOPH Ned eso guet, äuä. Han gseh, dasser nomol alles händ müesse ufriisse. De ganzi Teer umesüsch verteilt. Händ dänk d Tschingge weder ned ufpasst, hä?
Maria, die junge Barmaid, tritt auf.
verlegen Uh hey sali Maria. Guet gsehsch us. Nomol e Chübel bitte. Und em Mägge hie brengsch au grad eine. De het sich das verdient. Gäll Mägge. Er klopft dem Angesprochenen aufmunternd auf die Schultern. Weisch, d Italiäner händ mol weder Mischt bouet, be ehm uf de Boustell.

MARKUS nimmt ohne aufzublicken einen kräftigen Schluck Bier.
CHRISTOPH Jaja trink du nume. Aber besch scho rächt still höt.
Maria zuckt unmerklich mit den Schultern, begibt sich hinter die Bar und fängt an Bier auszuschenken.

CHRISTOPH schweigt eine Weile. Dann wohlwollend Hesch Problem met de Fraue? Jaja, ich känn di doch, du Schlingel. Aber verzell… Isches öbbe d Giger Barbara? Muesch jetzt gar ned so de Chopf schöttle, letsch Fasnacht het die Füür ide Bei gha. Da esch eim grad chli andersch worde. Wer denn? S Heidi? lachend Esch zwar scho es älters Kaliber, aber d Erfahrig… Maria stolpert und verschüttet das Bier über den Tisch und die Gäste.
Gopferdori, Maria! Lueg doch wod anetrampisch. Ja muesch jetzt ned so verschreckt driluege: Ufpotze!
Maria verschwindet verstört hinter der Bar. Markus beginnt mit einem Stofftaschentuch das Bier auf dem Tisch aufzutupfen.
Tammisiech. Höbsch ischsi ja scho, die chlini Pellegrino. Aber schaffe sött mer ebe glich no chönne. Debi esch eri Muetter emmer en tüchtigi gsi. Da chonnt ebe devo, wemmer sich met emene Südländer ihlaht…
Urs tritt auf.

URS Hey tschau zäme. Wie gahts Chrigi? Kusi?
CHRISTOPH Tschau Urs. Guetguet, danke. Sälber?
URS Momol, es muess, gäll. Chume grad vo de Garage.
CHRISTOPH Hesch en Unfall gha? Verzell meh. Aber sitz zersch emol ane. Mer send schliesslisch ned im Ständerat. Haha.
URS Während er sich Hut und Jacke auszieht: Ja, nüt schlemms. Han mer müesse en Reife ersetze lah. Nimmt eine Zeitung, setzt sich hin und fängt an zu Blättern. Stille.Markus hat den Tisch trockengerieben und nimmt ein weiteres Tuch von Maria entgegen. Christoph räuspert sich, nimmt einen letzten Schluck Bier. Mittlerweile stehen vier leere Gläser auf dem Tisch. Eines davon angebrochen.
URS schüttelt den Kopf. Nei, aso wörklech. Während er weiter in der Zeitung blättert Gopferdori. Er legt die Zeitung offen auf den Tisch, den Finger auf einer in roten Grossbuchstaben geschriebenen Schlagzeile. Da gsehsches weder: „Burka-Verbot schlägt HO-HE Wellen“.
CHRISTOPH Nei was ächt? Wo denn?
URS Im Tessin. Zwoidrettel händ d Initiative unterstützt. Und jetzt wett ergend sone Främde-Firme-Fötzel alli Buesse zahle.
CHRISTOPH Hah. Söll er. Laut: Domme Chogel, gäll Mägge?
MARKUS schweigt.
CHRISTOPH Ja, esch aber scho schlemm was die Muselmanne met erne Fraue mached. Döfed ja chum use. So lehreds nie Dütsch.
URS Ha. Und ahluege chamer si au ned.
CHRISTOPH Ja wie au, so vermummt, wie die sind.
URS UND CHRISTOPH lachen herzaft.
Maria fängt an die Stühle aufzutischen.

CHRISTOPH Scho weder so spöt worde? Chom Urs mer gönd no wiiter, ich känn da en super Schuppe, grad be de Autobahn…
URS Ja chom, da beni no debi. Maria, ich leg ders s Gäld uf de Tisch. Danke gäll.
URS UND CHRISTOPH packen ihre Jacken und gehen raus.
Maria nimmt das Geld, stellt die letzten Stühle hoch. Nach einem kurzen Blick zu Markus verschwindet sie hinter der Bar.
Markus schaut sich nach der Eingangstüre um und folgt ihr. Zuerst langsam, dann mit immer schnelleren Schritten.