@Unterbewusstsein: Was soll das werden?

Grün und dunkel, es ist so still, ich auch, meine Haut so blass, die blonden Haare so leicht, allein, allein, nur das Wasser und ich. Schnitt. Trüb und türkis, milchig, unter Wasser kann ich die Augen nicht öffnen, alles, was eintaucht, verschwindet, für immer. Schnitt. Gelber Regenmantel, überall Schuppen, das Wasser ist süss und sauer, tödlich, spritzt gegen den Marmor und mich, er verfärbt sich, gelb, ich löse mich auf, und will es. 

kreisch-traum-gelbKennst du das: Du wachst morgens auf und fragst dich, was zur Hölle dir dein Unterbewusstsein letzte Nacht sagen wollte? Wieso deine Ex wieder durch deine Gedanken turnte, du von dunklen Gestalten verfolgt wurdest und dabei nicht vom Fleck kamst, deine Katze zu dir sprach, oder ein Kommilitone mit dir Dinge anstellte, die definitiv nicht auf dem Stundenplan stehen?
Und du in diesen Augenblicken nicht die leiseste Ahnung hast, was gestern war? Was deine Probleme, deine Ängste waren und – wer du eigentlich selbst bist?

Darum ist der Satz „Ich habe letzte Nacht echt krankes Zeug geträumt“ auch nur ein Zeichen dafür, dass wir alle normal sind.
Mit dieser Einstellung im Hinterkopf habe mich in der vergangenen Woche auf meine Träume geachtet. Damit ich euch mit ein paar spritzigen Anekdoten aus meinem passiven Nightlife beglücken kann.

Fehler. Ganz grosser Fehler. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder, mein Gehirn sah sich dazu aufgefordert, mir extra krankes Zeug hinter die Netzhaut zu projizieren oder es sah stressbedingt keinen anderen Ausweg, als meine Probleme in extra-krankes- Zeug -Metaphern zu verpacken. So oder so bleibt das jetzt mal offline. Damit ihr hier weiterlesen könnt, und nicht mit halbgeöffneten Augen nach unten scrollt.

Einige googeln ihre Symptome, um eine Krankheit zu finden, andere googeln ihre Träume, um sicher zu sein, dass sie nicht kränker sind als andere. Ich bin unterdessen ein richtiger Traumdeutung-Profi, und interpretiere mir das Leben wie ich es will. Hier ein Auszug meiner Recherche: Wenn du glaubst, dass deine feuchten Träume ein Zeugnis deiner Potenz sind , ist das, laut der Quelle meines Vertrauens, ein Irrtum. Wenn du aber öfters mal mit Messern hantierst, Schlangen oder Bananen (sehr subtil, liebes Unterbewusstsein, sehr subtil) in deinen Träumen auftauchen, bist du vermutlich untervögelt. Oder unterzuckert. Oder heimlicher Veganer. Alles Dinge, über die wir vielleicht mal reden sollten.

kreisch-traum-blauWas mich und meine Wasser-Träume betrifft, meint Google folgendes: Das Wasser stehe für das weibliche, das emotionale und das verborgene Seelenleben.
@Unterbewusstsein Willst du mir sagen, ich wabere in meinen eigenen Lebenssäften, wie die Essiggurke im Glas? Wo ich nicht weiss, wo oben und unten ist, den Durchblick nicht habe und manchmal drohe, zu ertrinken?
Okay, okay, got your point. Soll mir recht sein, denn: In unseren Träumen sind wir in einer Welt, die nur uns selbst gehört. Und wenn das bedeutet, dass ich in mir selbst gefangen bin, dann ist das doch auch nur ein Phantom- Schmerz des eigentlichen Lebens.

Wir legen so verdammt viel Wert darauf, was am Tag passiert. Was Instagram- Weisheiten, Boulevard- Horoskope (oh doch, tust du), Freunde und Menschen, die so tun, als ob sie es wären, über uns sagen. Aber: Das Leben findet ja auch nicht nur zwischen dem Blinzeln statt. Und was in der Nacht in uns abgeht, ist doch nichts anderes als eine kleine Neuformatierung unseres Bewusstseins. Und so erwachen wir jeden Tag um ein paar Erfahrungen reicher. Und, um einen alten Mann mit langem Bart zu zitieren:

Natürlich passiert es in deinem Kopf, aber warum um alles in der Welt sollte das bedeuten, dass es nicht wirklich ist?

Grün und dunkel, nur das Wasser und ich, und ich sehe gut aus, und ich fühle mich gut, und alles ist gut, und ich wache aufSchnitt.