Wir, die Antihelden

 Wer kennt es nicht:

  • Von der Leiche in deinem Keller bröckelt langsam die Fassade.
  • Deine Louis Vuitton Handtasche glänzt in der Abendsonne, die durchs Zugfenster scheint. Gemütlich hat sie es da, neben dir auf dem Sitz. Gemütlich haben es auch die stehenden Pendler im Gang, deren Schweissdrüsen jetzt alle per „Du“ sind.
  • Du hattest da neulich eine geniale Idee: Einen Stacheldraht um dein Dorf oder deinen Kontinent zu bauen. Das wär’s!

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Ich sag dir, wer so was nicht kennt: Menschen, die an der Veranstaltung „Respekt, Anstand und saubere Socken als Grundpfeiler einer intakten Gesellschaft“ teilgenommen haben. Oder zumindest von diesem Anlass hörten. Oder den Flyer dazu sahen. Und nicht während der Vorstellung im Backstage Bereich rumlümmelten, irgend was Klebriges mit Wodka und Ziegenblut tranken, und den Teufel küssten. Mit Zunge.

Eigentlich könnte der Text hier fertig sein. Aber auch meine Socken werden nicht mehr sauber, egal, wie heiss ich sie wasche. (Und Satan schmeckt nach Hotdogs, falls es jemand noch nicht weiss.) Also muss ich es mir ungemütlich machen und fragen:

Lässt sich die Welt überhaupt in „gute Menschen“ und du„ver?“*@@!!!? Ich hoffe, du @@^^=?*# im Quadrat“ teilen?

Auch ich habe Arschkarten im Ärmel. Ne Menge:
Ich habe dich im Bus „nicht gesehen“? Ich bin vielleicht blind, aber du anscheinend ein bisschen blöd.
Ja: schnippisch bin ich auch.
Ob ich gelangweilt bin? Nein. Das ist mein Gesicht. Im Dialog mit dir.
Und kennst du die Achterbahn „Blue Fire“? Jetzt stell dir das mal als Laune vor. Am meisten Spass bereite ich dir aber, wenn ich über fünf Stunden nichts gegessen habe. (Tipp: bei Ausflügen immer einen Surprise-Snack in der Tasche haben. Da freu ich mich. Und knabbere dich im Gegenzug nicht an. Vielleicht.)

Zugegeben: Ich bin nicht das bad girl, das ich gerne wäre. Und trotzdem  bin ich mir meiner Eigenheiten bewusst. Weil ich mir zwischendurch ein paar von diesen Gedanken-Dingern mache. Und versuche, wenn möglich, meine Mitmenschen zu verschonen.

Aber ist das die Lösung? Das würde ja voraus setzen, dass wir uns alle Gedanken über uns selbst machen. Wie anstrengend!
Folgender Vorschlag: Wir schreiben all unsere Macken auf Kärtchen und bringen sie anstelle von Handynummern, Dolce Gabbana Parfüm und K.O. Tropfen an Parties unter die Leute:

  • Meine Hobbies sind Voodoo, kleinen Kindern Süsses klauen und am Bratwurststand nach vorne Drängeln.
  • Ich bin ja kein Rassist, aber…
  • Hallo. Während du das liest, turnst du nackt durch meine Fantasie. Ich bin auch da. Und eine tote Katze. Aber dazu später mehr.

Diese Art des ersten Eindrucks würde zumindest mal gegen die Verbreitung von Herpes aller Art helfen. Wer immer noch will: Abwarten – der bricht schon noch aus:

Wir Antihelden haben Fehler. Und nur wenn man erkennt, weshalb, werden sie wieder liebenswert. So wie Carrie Bradshaw, Peter Parker oder der Typ in deinem Freundeskreis mit der gewagt kurzen Badehose. Peter zum Beispiel ist abseits seines Spiderman-Kostüms ein Typ wie jeder andere und darum auch: fehleranfällig. Wir kennen alle jemanden, der sich hinter einer Maske versteckt. Und wenn sie dann bröckelt, hast du zwei Möglichkeiten: Dich aus der Situation zu manövrieren, direkten Augenkontakt vermeiden und gleichzeitig die Nummer des Exorzisten deines Vertrauens zu wählen – oder aber: Du bleibst und versuchst zu verstehen, woher das Arschloch kommt.

Denn: Das ist wie bei Herpes. Der wächst auch nicht einfach so. Den bekommt man von anderen Menschen. Bei Risiken und Nebenwirkungen kannst du auch für den Rest deines Lebens die Luft anhalten. Oder Ziegenblut trinken. Hilft alles genau gleich viel.