Wir gegen die Anderen!

Ohne Medien existierst du politisch nicht. Immer wichtiger wird das Auf-Sich-Aufmerksam-Machen und aus der grauen Masse herausstechen. Werbung und Polemik erledigen den Rest. Populismus sei Dank.

Europa wird überrannt. Von Flüchtlingen, Schleppern, Menschenhändlern und vor allem: Gutmenschen. So zumindest scheint es. Die Medien erschaffen durch ihre Berichterstattung bewusst oder unbewusst eine verzerrte Realität. Sie wiederum bildet den Nährboden für eine politische Agenda, die sich in eigenen Worten „den Sorgen des einfachen Mannes“ annimmt.

Angefangen hatte das Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika: Damals lehnten sich vorwiegend Bauern gegen das politische Establishment auf. Sie gründeten die Populists Party, welche sich im Gegensatz zu anderen Parteien nach den Interessen des einfachen Volkes richtete. Die Partei blieb nicht lange aktiv und doch hatte sie einen weitreichenden Einfluss auf das politische Geschehen wie wir es heute kennen: Sie setzte den Grundstein für den Begriff des Populismus.

Grundsätzlich setzt Populismus noch immer das selbe Feindbild voraus, wie 1891: Auf der einen Seite die Politiker und Parteien, welche nur zu ihrem eigenen Vorteil arbeiten, auf der anderen Seite der einfache Mann und das übervorteilte Volk. Frei nach dem Motto: Bist du nicht für uns, bist du gegen uns. Doch natürlich gibt es auch einen Populismus 2.0.

Denn wer in der Politik wirklich präsent bleiben will, muss es auch in den Medien sein. Sei es mit Föhnfrisur oder grenzwertigen Post auf Facebook und Twitter. Nähe zum Volk ist gleichbedeutend mit viel Bildschirmpräsenz. Wie es der Schriftsteller und IRA-Aktivisten Brendan Behan formulierte:

„There’s no such thing as bad publicity except your own obituary.“

Wir folgern: Heute ist Populismus keine Einstellung. Er ist eine Strategie. Eine Form der Öffentlichkeitsarbeit, wenn man so will. Ähnlich wie in den Massenmedien versucht man die Wähler durch emotionale Kampagnen abzuholen und für die eigene Sache zu gewinnen. Dazu gehört auch: Eine einfache Antwort auf eine komplexe Fragestellung. Da kann sich dann jeder echauffieren und mitreden.

Aktuelles Beispiel: Die Ausländerkriminalität. Sie ist höher als die Kriminalität der Schweizer. Ein Fakt. Doch wie der Tagesanzeiger diese Woche gezeigt hat, überschätzen viele Schweizer die tatsächliche Kriminalitätsrate bei weitem. Wohl auch dank der andauernden Berichterstattung. Das wiederum hat den einen oder anderen politischen Vorstoss zur Folge. Einfachste Lösung hier: Alle ausländischen Kriminellen ausschaffen.

Klar könnte man jeden Populisten anschwärzen und ihm nicht sachgerechte oder kaum konsensorientierte Politik vorwerfen. Aber hey: Er wurde gewählt, hat einen Nerv getroffen und in einer der Politik eher überdrüssigen Zeit die Menschen auf seiner Seite, sie vielleicht sogar für etwas begeistern können. Eine Kunst, die gelernt sein will.

Sollten wir uns also alle eine Scheibe Populismus einverleiben?