«Die Bachelorette» – In einem Sumpf aus Ironie wachsen keine Rosen

Die Sendung «Die Bachelorette» ist «fake», «Volksverblödung», «niveaulos» – so die Kommentare unter Beiträgen über besagtes Format. In Medien, die über «die Bachelorette» berichten. Jede Woche.

Niemand schaut «die Bachelorette», weil er an die die Sexualisierung der Frau, künstliche Körperteile oder cheesy Lines glaubt. Hate-Watching ist, was früher der Blick über die Hecke war: abschätzige Genugtuung. Schliesslich sind wir, das Fernseh-Volk ja nicht blöd und haben lange verstanden, dass diese Dating Show das Gegenteil von Liebe ist: Ironie. Und das lassen wir die Online-Welt auch gerne wissen. Anlaufstellen gibt es dazu genug.

Nachdem «die Bachelorette» am Montagabend auf dem Privatsender 3+ ausgestrahlt wird, passiert etwas, dass der Aussetzung eines Kaninchens im Wald gleicht. (Nur das dieser Hase ziemlich genau weiss, wie er laufen muss). Nutzniesser stürzen sich auf den Köder, vergnügen sich daran, zerfleischen ihn, schlachten ihn aus um ihn dann zu verarbeiten; in Beiträge für den nächsten Tag.

Der Comedian Stefan «Büssi» Büsser publiziert jede Woche einen Zusammenschnitt von «die Bachelorette» –  GIF-Montagen und Furzgeräusche inklusive. Influencer Zeki Bulgurcu  nutzt die Möglichkeit der jährliche wechselnden Bachelorettes für seine Instagram-Videos: Werbung für die Show, Clicks für ihn.

Der Blick hat auf seiner Website ein ganzes Bachelorette-Dossier angelegt, 20min und watson berichten ebenfalls wöchentlich über die TV-Show. Lustige Berichterstattung über Produktplatzierung und den heiligen Gral des 21. Jahrhunderts: die Five-Minutes-of-Fame. Je mehr Artikel geschrieben, desto mehr Werbung kann geschalten werden.

Und spätestens, wenn die Handlung unterbrochen wird, damit sich die Hauptdarstellerin mit Shampoo der Marke «le petit marseillais» einseifen kann, weiss der Zuschauer, wieso er einen Privatsender schaut, für den er keine Billag-Gebühren bezahlen muss. Damit er sich besser fühlen kann.

Ist das verwerflich? Keine Ahnung. Es entsteht jedenfalls eine satirische Endlosschleife im konstruierten Hype um die Bachelorette.