Mikrokosmos: Die Emojis, die uns definieren

Während ich vor meinem Kinderarbeit-Computer meinen Fairtrade Kaffee mit Hafermilch trinke und durch meine Timeline scrolle, merke ich, dass der Ramadan angefangen hat. Nicht etwa durch eine Kalendererinnerung oder einen halbherzigen Artikel über Muslimas und Muslime in der Schweiz. Nein, durch einen ganz bestimmten Emoji: ☝

In einem Versuch, meine Timeline zu diversifizieren, hatte ich vor einigen Monaten auf Facebook nach Gruppen gesucht, die Muslimas eine Plattform bieten, sich auszutauschen. Stattdessen habe ich einige Heiratsvermittlungsseiten und propagandistisch anmutende Seiten gefunden. Wo ich schon mal da war, habe ich sie trotzdem abonniert. Und analysiere seither in meinem Hinterkopf Bildsprache und den Einsatz von Emojis.

Die Beiträge sind in der Regel von ernster Natur und kommen ohne Emojis aus. Es geht um die richtige Lebensweise und ganz alltägliche Probleme in der Ehe und was das Praktizieren des Glaubens angeht. Der erhobene Zeigefinger dagegen funktioniert als eine Art Stummschaltung. Er wird meist von einem Zitat aus dem Koran, einer Sure, oder einem Gleichnis begleitet. Kombiniert wird das Emoji gerne mit einer Gedankenblase und/oder einem Herz. Oder beidem.

Screenshot Facebook

Warum fällt mir das derart auf? Nun, in meinem Emojigebrauch kommt der erhobene Zeigefinger so gut wie gar nicht vor. Erst seit ich das Symbol des Öfteren in meinem Feed sehe, fange ich an, es in meine Nachrichten zu inkorporieren. Das wirft eine Reihe von Fragen auf: Befinde ich mich in einer Emoji-Filterblase? Benutze ich nur die Emojis, die meine Freunde auch benutzen? Und was sagen die Emojis, die ich benutze über meine Identität aus? Könnte ein Algorithmus Religionen, Ethnien oder Nationalitäten von Menschen anhand von Emojis auseinanderhalten?

Meine zuletzt benutzten Emojis. Inklusive erhobenem Zeigefinger.

Good News: Studien zu Emojis sind noch spärlich gesät. Wenn vorhanden, dann setzen sie sich mit der Art auseinander, wie Menschen ihre Emotionen ausdrücken. Zum Beispiel mindert eine grosse Variation von Emojis die Wahrscheinlichkeit, dass der schreibende depressiv ist.

In other News: Emoji Data Science is a thing. Logisch, das Firmen wie Facebook oder Mailchimp sich mit der Nutzung der Piktogramme auseinandersetzen, doch auch die University of Michigan oder Chicago setzen sich mit den kleinen gelben Figuren auseinander.

Top Emojis von #MeToo. auf Twitter. Quelle: Prismoji.

Bei einigen Emojis scheinen wir uns aber ziemlich einig zu sein. Eine Studie, die die geschlechtsspezifische Nutzung von Emojis untersuchte, fand heraus, dass wir unabhängig von unserem Geschlecht das lachende Smiley mit den Tränen in den Augen am häufigsten benutzen. Dicht gefolgt vom Herzaugensmiley und dem roten Herz. Erst ab sechster Stelle lassen sich Unterschiede feststellen. Männer etwa nutzen häufiger das Affen-Emoji mit den Händen vor den Augen. Frauen das rosa Herz mit Sternchen.

Eine Andere interessante Studie hat sich mit Hautfarbe auseinandergesetzt. Seit einiger Zeit kann man die ja auswählen. Aus der Analyse der Hautfarbe-emojis ist folgende Landkarte entstanden:

Während sich die dunkler gefärbten Emojis in den USA dadurch erklären lassen, dass Twitter in der Afro-Amerikanischen Community eine grosse Bedeutung hat, fällt der Farbunterschied von Emoji und tatsächlicher Hautfarbe im Asiatischen Raum besonders ins Auge. Hier bestimmt ein Schönheitsideal sogar die Farbe der Emojis.

Schlussendlich sind Emojis nur ein Indikator von vielen, wenn es um soziale Gefüge und Persönlichkeitsprofile geht. Trotzdem lohnt es sich, ihre Nutzung zu reflektieren. Ich versuche auf jeden Fall in Zukunft auf den erhobenen Zeigefinger zu verzichten. Und ihr so?