Rezension: #feminismiscancer – oder wieso es in der Wüste schneit

Über 83’ 000 Beiträge haben sich unter dem Hashtag #feminismiscancer zusammengerottet. Profile wie @meninism verkünden darunter die Gefahren des Feminismus: Frauen verlassen ihre Ehemänner, bringen ungeborene Kinder um und demonstrieren an einem Samstag lieber, als zur Arbeit zu gehen. Und dann wundern die Weiber sich, wieso es eine Lohnungleichheit gibt? Unverschämt. Donald Trump interpretierte, wie fast alles, den WomensMarch2018 zu seinen Gunsten: «Geht raus und feiert die geschichtlichen Meilensteine (…), die in den letzten 12 Monaten erreicht wurden. Die niedrigste Arbeitslosenquote bei Frauen seit 18 Jahren!». Oder patriarchalisch gesprochen: ein neues Feindbild.

Momentan trägt es gerne das Gesicht von Oprah Winfrey. Nach ihrer Rede bei den Golden Globes wurde sie bereits als Präsidentschaftskandidatin 2020 gehandelt und gleichzeitig in den Tiefen des Internets für hetzerische Zwecke instrumentalisiert. Unter einem Meme von ihr steht «White People have to die in order for racism to end». Ein Zitat von ihr – angeblich. Was Oprah Winfrey in einem Interview mit BBC tatsächlich gesagt hatte, war: «Es gibt immer noch Generationen, die in Rassismus und Vorurteilen mariniert wurden. Diese Menschen müssen sterben.» Wer vor der Zukunft die Augen verschliesst, kann wohl jede feministische Aussage als bedrohliche Parole sehen. Nichts scheint unter dem Hashtag feminismiscancer unlogisch: Männer, die sagen, sie würden Frauen umbringen, um ihre Ehre zu retten – Feminismus! Schnee in der Wüste Sahara beweist die Klimalüge und ist – Feminismus! Hund rennt durch eine Glasscheibe – Feminismus!

Das sind Posts, die der Zukunft trotzig gegen’s Schienbein kicken. Sie als mentale Krankheit von ein paar wenigen männerverachtenden Frauen pauschalisieren. Feminismus mit islamistischem Gedankengut gleichstellen. Und gerade deshalb ist dieser Hashtag nichts anderes als die Zuckungen eines sterbenden Systems, das auf seinem Weg in den Tod so viel Hass wie möglich produzieren will. Das wird ihm nicht gelingen. Denn unter dem Hashtag #feminism sind bereits jetzt über 6’000’000 Posts.