Gesellschaftliche Superkraft: Shellacnägel

Gefährlich ungefährlich verzieren lange rote, pinke, glitzernde Shellacnägel die Finger dieser Welt. Gefährlich, weil sie zugespitzt oder mit metallenen Extras durchaus verletzen können, ungefährlich, weil mich vor Kurzem eine junge Frau um Hilfe bitten musste, weil ihre langen Nägel sie daran hinderten, die Kreditkarte aus dem Ticketautomaten am Zürcher HB zu ziehen. Münz auflesen, so klärte mich kurz darauf eine Arbeitskollegin auf, ist auch keine einfache Sache. Tippen, Schminken, Reissverschlüsse zuziehen: Bedarf alles einiger Übung, wenn frau sich für Shellacnägel entscheidet. Ein Produkt muss wahrlich Superkräfte haben, wenn Menschen dafür solche Nachteile in Kauf nehmen. Und Superkräfte haben Shellacnägel ja: Das tägliche Mühsal, perfekt auszusehen wird einen Bruchteil weniger mühselig, denn um Shellacnägel muss man sich nur alle vier Wochen kümmern. Dazu kommen dann permanentes Make-up, Haarverlängerungen, Sonnenstudio und später Botox und Plastikbrüste. Jedem das seine. Aber von mir kriegen Shellacnägel dafür nur einen Mittelfinger.