Mit Liebe von Istanbul und Manchester

Der Mensch ist dem Vogel nicht unähnlich. Bis auf den Unterschied, dass er halt nicht fliegen kann. Trotzdem versuchen wir frei zu sein wie die Vögel am Himmel und unsere Grenzen hinter uns zu lassen. Meine Geschichte hat genau so begonnen. Ich wollte an unbekannte Orte fliegen und Geschichten von Fremden hören. Nur dann wäre es auch mir möglich, meine Geschichte zu erzählen.

Manchester ist ein Ort, an dem du zu einem Teil der Geschichte wirst. Wenn du merkst, wie viele Künstlerlegenden auf denselben Strassen gingen, wie du jetzt, gibt dir das Hoffnung. Und Hoffnung ist der Schlüssel, um deine eigene Geschichte zu erzählen. Ich war mir nicht bewusst, was mir Istanbul gegeben hat, bis ich nach Manchester gezogen bin. Die «Mancs» zeigen dir die Dinge aus einer anderen Perspektive. Eine Stadt, die offen für Neues ist, gerade weil sie sich vom Multikulti nährt und daran wächst. Istanbul hingegen ist nicht gerade ermutigend, wenn du anders bist. Obwohl die Stadt vielleicht sogar multikultureller als Manchester ist. Zumindest auf dem Papier. In Istanbul triffst du auf eine Menge wunderbarer Leute. Aber ich denke, dort ist es Zeit für eine Veränderung. Alle Menschen sollten unter dem Dach der Kunst zusammenstehen können.

Ich habe mich in Istanbul immer ein bisschen fremd gefühlt. Eine Tür zur anatolischen Kultur, die im Vergleich zu Europa wie ein unendlicher Ozean an Möglichkeiten schien. Aber schlussendlich ist das nur eine geografische Zahl und ich fragte mich immer wieder, was mich davon abhält, Istanbul zu verlassen. Ich wuchs zwar zwischen westlicher und östlicher Kultur auf, aber es hat gedauert, bis ich diese Einflüsse als Werkzeug meiner Kunst verstanden habe.

Der grösste Unterschied zwischen Istanbul und Manchester ist wohl der Respekt. Istanbul mangelt es an Respekt. Und wenn eine Stadt in Gefahr ist, müssten alle zusammenstehen. Denn in der Zukunft ist es vielleicht zu spät, um Dinge aus der Vergangenheit wiedergutzumachen. Ich denke, das Problem ist, dass sich in Istanbul keiner so richtig zugehörig fühlt. Die anderen Menschen sehen uns nicht als Teil des Nahen Ostens. Aber auch nicht als Europäer. Wo gehören wir dann hin? Vielleicht zu Eurasien. Vielleicht zu Anatolien. Ich weiss nur, dass ich jedes Mal, wenn ich am Bosporus stehe, er mich gerade deshalb unglaublich inspiriert. Sowie er vor mir viele Künstler inspirierte.

Das wichtigste ist also, sich selbst zu respektieren. Auch wenn das nicht für deinen kompletten, künstlerischen Weg reicht, wird es genug sein, um deine Reise zu beginnen. Dann wirst du auch andere respektieren. Am Ende wirst du so lernen, dich zu freuen, zu weinen und Kunst zu erleben. So war es zumindest bei mir. Trotzdem ist es als einzelne Person unmöglich, ein ganzes Land zum Respekt zu erziehen. Das ist die Aufgabe des Staats. Kunst ist ein Bewusstsein, das du in jeder einzelnen Ecke deiner Emotionen ertasten kannst. Manchester hat mich gelehrt, andere zu respektieren und meine Geschichte Teil meiner Kompositionen werden zu lassen. Denn dort habe ich mich gefunden, irgendwo in der Komposition zwischen Ost und West. Manchmal musst du nur einen Weg finden, deine Geschichte zu erzählen und wirst dadurch frei.

Berk, 24, Music Production Student und DJ, Manchester & Istanbul